Wie verlässlich ist unsere Intuition?

Viele Menschen argumentieren mit ihrer Intuition. Doch wie verlässlich ist sie tatsächlich?

Und wann wird der Verweis auf die eigene Intuition vielleicht auch zu einem Argument, sich mit bestimmten – womöglich unbequemen – Themen gar nicht erst näher auseinanderzusetzen?

Dazu ein Bezug zum kollektiven Geschehen.

Was ist Ablenkung, was möglicherweise bewusste Irreführung – und wo finden wir Aspekte von Wahrheit?

Vermutlich begegnen uns immer nur Fragmente eines wesentlich größeren Bildes. Einen vollständigen Überblick über all die Zusammenhänge unserer Zeit zu gewinnen, dürfte kaum möglich sein – und vielleicht ist das auch gar nicht notwendig. Entscheidend ist vielmehr, jene Zusammenhänge zu erkennen, die uns helfen, klarer zu sehen und bewusster zu handeln.

Doch was können wir tatsächlich als gesichert betrachten?

Wenn wir von der „alten Matrix“ sprechen, bewegen wir uns zunächst mit verschiedenen Hypothesen und Erklärungsmodellen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob viele der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen tatsächlich nur zufällig so entstanden sind, wie wir sie heute erleben.

Für manche Menschen ist völlig klar, dass hinter sichtbaren Strukturen weitere Interessen, Machtmechanismen und Einflussnahmen wirken. Andere wiederum können oder wollen sich das kaum vorstellen.

Warum eigentlich?

Weil damit möglicherweise ein bisheriges Weltbild wie ein Kartenhaus zusammenbrechen würde?

Weil daraus zunächst Orientierungslosigkeit, Unsicherheit oder sogar inneres Chaos entstehen könnten?

Gespräche über solche Fragen sind heikel. Umso wichtiger ist es, einen Abgleich unterschiedlicher Weltbilder zu ermöglichen, der friedlich und respektvoll bleibt – ohne Kritiker abzustempeln, zu diffamieren oder vorschnell einem politischen Lager zuzuordnen.

Gerade die zunehmende Radikalisierung der Sprache und die reflexhafte Einteilung in „rechts“ oder „links“ verhindern häufig genau jene Gespräche, die wir eigentlich bräuchten. Sie verhärten Fronten, anstatt Erkenntnis zu ermöglichen.

Nachdenken ist gefragt. Ebenso jene Form des Dialogs, die bereit ist, bisherige Vorstellungen zu überprüfen und vielleicht auch den einen oder anderen Schleier zu lüften.

Es ist zweifellos eine enorme Herausforderung unserer Zeit, aus der Vielzahl an Informationen, Interpretationen und Interessen ein größeres Bild entstehen zu lassen, das uns Orientierung und Klarheit bietet.

Aus der Matrix:
Merkur im Zeichen Waage steht in den Tagen um den letzten Neumond in Opposition zu Neptun und nähert sich anschließend auch Saturn. Symbolisch können wir darin den Auftrag erkennen, Illusionen, Projektionen und unklare Vorstellungen zu überprüfen und wieder zu mehr Klarheit zu finden.

Merkur in der Waage erinnert zugleich daran, dass diese Klärung nicht durch Kampf, sondern durch Gespräch entstehen kann: durch friedliche Dialoge und durch den ehrlichen Versuch, das jeweilige Weltbild des anderen zunächst einmal zu verstehen.

Dafür braucht es allerdings mehr als den Satz: „Meine Intuition sagt mir etwas anderes“ oder „Das kann ich nicht glauben.“

Intuition ist wertvoll – aber sie ersetzt nicht die Bereitschaft, tiefer zu forschen, Zusammenhänge zu prüfen und auch die eigenen Überzeugungen immer wieder infrage zu stellen.

Venus im Skorpion, als Herrscherin der Waage, führt noch eine Ebene tiefer. Sie möchte nicht an der Oberfläche stehen bleiben. Sie fordert uns auf, hinter die Kulissen zu schauen und auch jene Wahrheiten zuzulassen, die vielleicht unbequem sind oder unser bisheriges Weltbild erschüttern.

Nicht, um immer düsterere Bilder von der Welt zu zeichnen, sondern um wacher zu werden.

Wacher gegenüber Manipulation, Interessen und medialen Inszenierungen – aber ebenso gegenüber unseren eigenen Projektionen, Ängsten und vorgefassten Überzeugungen.

Vielleicht liegt genau darin eine wesentliche Aufgabe dieser Zeit:

nicht alles zu glauben – aber auch nicht alles vorschnell abzulehnen.

Zu prüfen. Zu hinterfragen. Tiefer zu gehen.

Und dabei die Fähigkeit zum friedlichen Dialog nicht zu verlieren.

In diesem Sinne wünsche ich dir einen feinen Spätsommer, und vielleicht sehen wir uns demnächst.

HerzLicht

Günter

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